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Wenn man neben der Straße, auf der man gerade unterwegs ist, plötzlich Dampfwolken aus dem Boden aufsteigen sieht, hat man drei Möglichkeiten: entweder hat das lokale Heizkraftwerk ein Problem mit seinen Leitungen, oder man ist tot und hat ein nicht ganz so tugendhaftes Leben hinter sich - oder man ist in einem hochgradig aktiven Thermalgebiet. Ein solches ist das Gebiet um die Stadt Rotorua, die an einem schönen (wenn auch weder heißem noch schwefeligen) See im Norden der Nordinsel liegt.
Am Ufer des Lake Rotorua |
Nähert man sich der Stadt, so zeugt neben den hier und da sichtbaren Dampfschwaden auch der immer stärker werdende Schwefelgeruch vom thermalen Charakter der Region. Das dem Stadtzentrum nächste Thermalgebiet ist "Whakarewarewa", das neben den Naturattraktionen auch einiges an Maorikultur zu bieten hat. Das Maori Arts Center beschäftigt sich mit traditionellen Künsten und Handwerksformen und bietet auch den Touristen viele Möglichkeiten sich mit wirklich authentischen Kunstgegenständen einzudecken - ohne Gefahr nach der Rückkehr in die Heimat irgendwo ein "Made in Taiwan" zu entdecken. Unter anderem gibt es viele, teilweise wirklich sehr schöne, Gegenstände und Schmuckstücke aus Holz oder aus Jade zu sehen und zu kaufen. Des weiteren wurde vor dem Eingang des eigentlichen Thermalgebiets ein beispielhaftes Maoridorf mit den typischen Häusern des Volkes aufgebaut, in dem man zum Beispiel die Gelegenheit hat, auch als nicht-Maori ein Versammlungshaus von innen zu sehen, dass ansonsten nur den Mitgliedern des jeweiligen Stammes vorbehalten ist. Am meisten beeindrucken uns dabei die aufwändigen Holzschnitzereien, die über zu sehen sind.
Rotorua: Maori Häuser in Whakarewarewa | Grimmige Statue im Versammlungshaus |
Ein Kriegskanu. Die Boote mit den die ersten Maori vor 1000 Jahren nach Neuseeland kamen dürften noch ein wenig größer gewesen sein... |
Das Thermalgebiet als solches liegt in einem Tal, durch das eine Vielzahl von vorgegebenen Wegen führt. Vor dem Verlassen der Wege wird überall gewarnt, was aufgrund des tückischen Geländes in Verbindung mit den teilweise vermutlich eher ungesunden Temperaturen der diversen Quellen, Schlammlöcher etc. sicherlich nachvollziehbar ist. Auch von den Wegen aus hat man aber viele Möglichkeiten brodelnden Schlamm, dampfende Quellen und Seen und durch Schwefelablagerungen verfärbte Felsen zu sehen.
Aufsteigende Dampfwolken machen von weitem klar - hier brodelt es unter der Erde | Brodelnder Schlamm |
Ein Highlight von Whakarewarewa stellen sicherlich die Geysire dar, die relativ zentral in dem Tal liegen. Es gibt insgesamt drei mit unterschiedlichen Dauern und Frequenzen des Ausbruchs, wobei im Gegensatz zum "Lady Knox Geysir" in ebenfalls nahe gelegenen "Thermal Wonderland" die Geysire hier völlig natürlich ausbrechen, ohne dass mit Seifenlauge nachgeholfen wird... Auch wenn man sich (je nach Entfernung und Windrichtung) darauf einstellen sollte, mehr oder weniger nass zu werden, ist der Ausbruch eines Geysirs ein recht beeindruckendes Naturschauspiel, das man sich nicht entgehen lassen sollte.
Ausbruch eines der drei Geysire in Whakarewarewa | Schwefelablagerungen an den Felsen - wenn man die Luft in Rotorua schnuppert, verwundern diese nicht wirklich |
Ein gemütlicher Spaziergang durch Whakarewarewa dauert (ohne die besagten Maori-Attraktionen) etwa zwei Stunden, wobei es für die eiligen auch Angebote gibt, das ganze vom Hubschrauber oder von einem Minibus aus zu betrachten.
Während Felsen und Schwefel in Whakarewarewa noch an vielen Stellen durch Gras, Gebüsche und hier und da sogar Bäume unterbrochen werden, hat man in "Hell's Gate" stellenweise das Gefühl auf einem anderen, feindseligen Planeten zu sein. Dieses Thermalgebiet ist das aktivste in der Gegend von Rotorua und liegt einige Kilometer außerhalb der Stadt. Es ist vielleicht etwas weniger abwechslungsreich als Whakarewarewa, insofern als dass die Thermalaktivitäten hier etwas unifomer sind (es gibt z.B. keine Geysire), dafür beeindruckt dieses Gebiet durch die schiere Konzentration und Ausdehnung der Formationen. Hier lieg ein Schwefelsee direkt neben einer brodelnden Schlammgrube, die wiederum an einen Schlammvulkan angrenzt. Keine Pflanze und kein Tier versucht die Herrschaft der geothermalen Gewalten zu durchbrechen. Einzige Ausnahme: zwischen den zwei Talkesseln, aus den das Gebiet besteht, liegt ein schmales Stück Wald mit einem ausgesprochen idyllischen Wasserfall, über den das Schwefelwasser aus dem oberen Tal in das untere abfließt.
Warnschild im Thermalpark Hell's Gate: Wer die heißen Gruben aus der Nähe sieht, ist halbwes bereit dem Schild zu glauben | Unwirkliche und ungastliche Mondlandschaft am "Tor zur Höhle" |
Ein kleines Stück Paradies zwischen den zwei schwefeligen Tälern von Hell's Gate | Schlammvulkan - gewisse ähnlichkeiten mit den großen Brüdern sind durchaus erkennbar |
Ein Schwefelsee ohne Warnschild - die Gelegenheit die Wassertemperatur zu testen... |
Insgesamt ist Hell's Gate also ganz anders als Whakarewarewa und es lohnt sich mit Sicherheit, beiden Gebieten einen Besuch abzustatten. In Hell's Gate hat man zusätzlich auch noch die Möglichkeit, in einem Spa das Schwefelwasser hautnah zu erleben. Wir entschieden uns aber für die landschaftlich etwas attraktivere Variante, es sich im warmen Schwefelwasser gut gehen zu lassen: das "Polynesian Spa". Diese Badeanstalt liegt in Rotorua selbst, direkt am Ufer des Sees. Während man also das 36 bis 42 Grad warme Wasser in den Natursteinbecken unter freiem Himmel genießt, hat man eine tolle Aussicht auf den See. Besonders empfehlenswert ist ein Besuch in den Abendstunden, wenn es langsam dunkel über dem See wird und man den Tag mit Ruhe und Entspannung ausklingen lassen kann.
Rotorua stellt nicht unbedingt ein Zentrum der neuseeländischen Schafzucht dar, da es aber aufgrund der Naturattraktionen doch eine ganze Menge Touristen anzieht, haben die geschäftstüchtigen Betreiber einer Nahe gelegenen Farm die Gelegenheit genutzt, eine Art Freizeitpark rund um Neuseelands Nationaltier Nummer 2 (nach dem Kiwi natürlich) aufzubauen: den Agrodome. Hier hat man neben (selbstverständlich!) der Möglichkeit sich mit allerlei Produkten rund um das Schaf einzudecken, die Gelegenheit eine Tour über die Farm zu machen und eine "Schafshow" über sich ergehen zu lassen.
Die Tour findet je nach Gruppengröße entweder mit einem Allrad-Minibus oder mit einem Traktor mit zu Touri-Transportern umgerüsteten Anhängern statt. Auch hier haben wir wieder Glück und sind neben einem amerikanischen Pärchen die einzigen Teilnehmer der Tour. Also geht es mit dem Minibus und einem bärtigen, sehr nach Schaffarmer aussehenden Guide los. Während der Tour sieht man nicht nur die Tierzucht, sondern besichtigt auch eine Kiwi-Plantage, erfährt einiges über den ökologischen Anbau in Neuseeland und probiert ein wenig vom lokalen Honig und Kiwi-Wein - ohne, dass es jemals zur Verkaufsveranstaltung ausartet. Auch die tierischen Bewohner der Farm kommen nicht zu kurz und man hat an zwei oder drei Stellen die Gelegenheit Schafe (sehr gefräßig, treten sogar zu wenn man nicht schnell genug mit dem Futter nachkommt) und Alpakas (eine Art Lama, die aufgrund ihrer extrem hochwertigen Wolle immer häufiger auch in Neuseeland gezüchtet werden - sehr hoher Knuddelfaktor!) aus der Hand zu füttern.
Nach der ausgesprochen gelungenen Tour sehen wir uns auch die Schafshow an: immerhin kriegt man so alle 19 auf den beiden Inseln verbreiteten Schafrassen auf einmal zu sehen und erlebt Schafscheren live. Den Abschluss bildet eine Vorführung von Hütterhunden, bei der eine kleine Gruppe Schafe von einem Hund ausgesprochen zielgerichtet und professionell durch einen Parcours gejagt wird.
Alle 19 Schafsrassen Neuseelands auf einen Blick - auf der Bühne der Schafshow im Agrodome | Das Schaf hat seinen Widerstand gegen den "Wollediebstahl" aufgegeben |
Ein Hütterhund im Dienst |
Insgesamt ist der Besuch im Agrodome sehr kurzweilig und macht Spaß. Die Schafshow ist sicherlich nicht jedermanns Sache, wohingegen die eigentliche Farmtour uneingeschränkt empfehlenswert ist.
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